Jakob Gnigler – Tenorsaxophon
Philipp Harnisch – Altsaxophon
Alex Kranabetter – Trompete
Simon Frick – Geige
Judith Ferstl – Kontrabass
Niki Dolp – Schlagzeug

About

Das 2013 vom jungen österreichischen Saxophonisten Jakob Gnigler gegründete Sextett hat sich eine eigene musikalische Welt geschaffen, die voll von nicht Erwartbarem und Unvorhersehbarem steckt. Individuum versus Kollektiv, Komposition versus Improvisation, Hörgewohnheit versus künstlerische Intention – allerorten werden Gegensätze zelebriert, Denkschablonen hinterfragt, Hierarchien umgedreht.
Was bei diesen musikalischen Bodenerosionen, Verwerfungen, Plattenverschiebungen entsteht, ist nicht experimentelle Kammermusik, nicht (Free) Jazz, nicht Neue Musik. Sondern alles zusammen. Die Musiker von Gnigler sagen: »Wir spielen, ohne von der Frage des Dürfens, Müssens und Sollens beherrscht zu werden.« Oder, noch exakter formuliert: »Die beiden Aussagen ›Nichts passiert‹ und ›Alles passiert‹ halten sich die Waage.«
Schlussendlich weiß also niemand, was kommen wird. Gut so.
 
Aktuelles Album: “Straight On, Downstairs, 2nd Door Left”

Über ein Jahr haben wir intensiv an dem Album gearbeitet; unzählige, schöne Studiostunden verbracht. Nach dem üblichen Prozess von Anhören, Mischen, Anhören, Mischen usw. ist unter dem tontechnischen Fingerspitzengefühl von Werner Angerer ein wunderbares Album entstanden. Danke an alle Beteiligten!
Das Album ist beim Wiener Label Col legno erschienen

 

Reviews

Parker, Breuker, Gnigler!

Ist das der alte, halb vergessene Spirit der Loft-Szene? Kehren etwa die wildbunten Achtzigerjahre zurück? Nein, besser noch: Jakob Gnigler ist ein junger Saxofonist aus Österreich und steht noch am Anfang seiner Karriere. Mit seinem Sextett – zwei Saxofone, Trompete, Violine, Bass, Schlagzeug – erforscht er die Welt der musikalischen Kontraste und Überraschungen. Das Sextett mischt Bop-Phrasierung mit Neue-Musik-Clustern, growlendes Saxofon mit Kammermusik-Erkundungen, spannenden Bläsersätze mit Geräuschcollagen. Ständig wechseln Stile und Rhythmen, die Ideen jagen einander, und zuweilen teilt sich die Band sogar in einen tonale und einen atonale Fraktion. Das alles ist mit viel Temperament, Expressivität und Risiko gespielt – offensiv, frei, löwenmutig. Trotz der ebenso kunstvollen Eklektik der musikalischen Sprache: Das Sextett Gnigler hat eine Menge mit der wirklich „heißen“ Tradition des Jazz zu tun. Ich sage nur: Parker, Breuker, Gnigler! Hans-Jürgen Schaal – Jazzthetik

Brilliant

Gnigler is a Viennese-based sextet headed by sax player-composer Jakob Gnigler. The sextet was founded in 2013 with the intention of wiring together idiosyncratic musical worlds into one bigger one. Straight On, Downstairs, 2nd Door Left – a typical explanation how to reach to any club in Vienna – is the sextet sophomore album after a self-titled album (Listen Closely, 2014) and realizes best Gnigler vision.
 
Jakob Gnigler’s compositions organically blend different music worlds – contemporary music, chamber jazz, free jazz and prog-rock – without losing their strong identity or sounding too cerebral. As Jakob Gnigler stresses: “we just play, without being permanently in sway to the question of could, must and should. And the very fact that it is not trying to be something means it is everything”. He elaborates in the digital liner notes how he explores the tension between form and structure in improvisation, contrasts in tonal arrangements and synchronicity, predictable and unpredictable elements in compositions and improvisations, and how his compositions examine of the role of the individual musician-improviser in this contexts.

These profound theoretical ideas do not harm the sense of freshness, urgency and invention of Gnigler. The six young musicians – alto sax player Philipp Harnisch, trumpeter Alexander Kranabetter, electric violin player Simon Frick, double bass player Judith Ferstl, drummer Niki Dolp and Gnigler himself on the tenor sax, are well-versed in many musical worlds and all are resourceful, open and imaginative improvisers. Gnigler trusts them and encourages all to alter drastically the form of his composition throughout their solo improvisations or during the overlapping improvisations, take the lead and suggest new modules, patterns, pulse and eventually having a lasting effect on the final outcome. By emphasizing this kind of freedom, Gnigler, the sextet, do not improvise on the form but letting the improvising process shape the forms of the composition, and allowing the sextet to write its own rules anew with every new composition.
 
The 11 compositions of Gnigler may sound at first as meticulously, straight forms of sonic architecture but then, suddenly, they bend into puzzles or a labyrinths of pieces worlds within pieces, each one opens up its own little world. For example, the minimalist, static “eins”, where Gnigler, Harnisch and Kranabetter hold a single note for a supernaturally long time, blurs the sense of time, but when the other musicians join this texture begins to distort and sounds dirtier, disturbing. The fast, playful changes of “sechs” and “drei” brings to mind the eccentric sense of humor of Frank Zappa. The hymnal, meditative “sieben” is the most emotional piece here, shining with its serene beauty. Frick wild solo on “fünf” takes Gnigler to chaotic, fusion terrains. “Zufzanc” offers an enigmatic, but cinematic-dramatic narrative, highlighted constant shifting of leading roles. Gnigler even plays with bebop rhythmic drive on “zwei” but spirals it into fractured, almost abstract texture.
 
Brilliant. (Eyal Hareveuni – Freejazzblog)

 

Statement.

Einer der gegenwärtig interessantesten Saxofonisten dieses Landes – interessant, weil er sich nich lediglich an der Jazztradtion abarbeitet, sondern immer auch zeitgenössische und experimentelle Kompositionsversuche in sein Denken über Musik miteinbezieht – ist Jakob Gnigler. Der Wiener, in Linz ausgebildete Tenorist hat mit Philipp Harnisch einen gleichwertigen Altsaxofonisten an seiner Seite, Trompete, Violine, Kontrabass und Schlagzeug komplettieren sein Sextett, das ein Vexierspiel aus Solo- und Duo-Improvisationen in Beziehung setzt, ihr Verhältnis zueinander, ihre Überbrückung, ihre Aufhebung im Kollektiv. Straight On, Downstairs, 2ndDoor Leftbeginnt mit einem einzigen Ton und seinen Mikrointervallen, im Lauf des Albums kommen Jazz-affinere Äußerungen zur Geltung, auf unterschiedlichen Gestaltungswillen hat das keinen Einfluss. Jeder Sound wird hier ernstgenommen, vor dem Hintergrund des souverän beweglichen Rückgrats (Judith Ferstl, Niki Dolp), das den Bandscheiben, dieser Band-Scheibe, genügend Muskulatur verschaffen, nutzen Frick, Kranabetter, Harnisch und nicht zuletzt Gnigler alle Freiheiten und Feinheiten für Expeditionen, denen die Ausgangspunkte Akademie, Eigensinn und Blues, allesamt frisch gekleidet, anzuhören sind. Architektonisch gesprochen: weder Villa noch ödes Eigenheim, sondern sozialer Wohnbau mit ästhetischem Anspruch vulgo Werkbundsiedlung. Statement.
(felix FreistilMagazin) unter den 4 “Platten zum autoritären Charakter”, Freistil #77

…die Zukunft des österreichischen Jazz…

Mit Freude stellt man fest, dass es in der wogenden Auszeichnungsflut noch vorkommt, dass Preise jene Leistung indizieren, wofür sie vergeben wurden. Dem 28-jährigen oberösterreichischen Saxofonisten Jakob Gnigler wurde 2015 der „Bawag P.S.K. Next Generation Jazz Award“ verliehen. Das vorliegende, zweite Album seines Sextetts, dem er nicht nur seinen Namen gegeben, sondern für das er auch die insgesamt 11 Stücke geschrieben hat, ist mehr als nur eine Anzahlung auf den Anspruch, die Zukunft des österreichischen Jazz entscheidend mitgestalten zu können. Obwohl die Aufnahme kompositorisch stark vorstrukturiert ist, ergibt sich vielfach unterwegs, wohin und wie die Reise geht, lassen Aktion und Kombination der Musiker (Philipp Harnisch, Altsaxophon, Alex Kranabetter, Trompete, Simon Frick, Geige, Judith Ferstl, Kontrabass und Niki Dolp, Schlagzeug) ein zugleich gelassenen und konsequentes Entscheiden hören, das sie instantan dramatisch zu verdichten wissen. Charakteristisch für den Kompositionsstil Gniglers sind die kleinen, in einem ständigen Stop-and-go sich auf- und ab bewegenden Figuren, die langen chromatischen Linien sind eher selten. Solistisch über er respektvolle Zurückhaltung, interveniert oft wie ein Kommentator von außen und geht dann wieder in die Stille. Herausragend und seinem Titel gerecht werdend ist das Stück „Kunstgriff 13“, wo alle sechs Solisten wechselnd sprechend, respektive schnatternd, dialogisieren und Violinist Simon Frick als Hauptsolist mit Jean Luc Ponty-artigen Staccati kräftig einsteigt (dop) – Concerto

Gegenentwurf zum gängigen Klischee

Sie sind ein Gegenentwurf zum gängigen Klischee, das der Jazz nur etwas für bärtige Mittfünfziger sei, die sechs Youngsters von “Gnigler”, die am Samstagabend ein gut besuchtes und viel beklatschtes Konzert im Jazzatelier in Ulrichsberg gaben.
“Gnigler” vereinigt einige der vielversprechendsten Talente der jungen österreichischen Szene.
Der namensgebende Tenorsaxofonist Jakob Gnigler schreibt alle Stücke selbst, verleiht ihnen Sinn und eine sehr eigenständige Handschrift. Er balanciert Komposition und Improvisation perfekt aus, nutzt die vielfältigen Soundoptionen, die die Besetzung mit Geige, Alt und Tenorsaxofon, Trompete, Bass und Schlagwerk geben.
Statt des manchmal ein wenig banalen Spiels Thema – Soli – Thema, gibt es da Duos, Trios und unbegleitete Soli, ganz großartig Altsaxofonist Philipp Harnisch mit schlanken, fast kühlen Linien, oder Trompeter Alex Kranabetter mit verblüffender Technik und drängendem Engagement.
Gnigler kontrastiert mit warmem, weichem Ton, und Simon Frick nutzt verspielt elektronische Effekte für sein emotionales Geigenspiel. Bassistin Judith Ferstl und Drummer Niki Dolp bilden das verlässliche rhythmische Rückgrat und musizieren in absoluter Augenhöhe. Das klingt manchmal ganz zart und verwundbar, kann aber auch ordentlich krachen. Um diese jungen Leute braucht man sich keine Sorgen zu machen, die sind auf dem bestem Weg. (Christoph Haunschmid, OÖN,22.1.2018)

Listen

fünf (full track)

igen (full track)

sechs(full track)

Albums

 
“Straight On, Downstairs, 2nd Door Left” Col legno, 2018

  
“Gnigler” Listen Closely, 2014 

Concerts

Upcoming

10.10.2018 Jazzpoint, Linz

Past(excerpt)

22.02.2018 Blue Tomato, Wien
20.01.2018 Jazzatelier, Ulrichsberg
19.05.2017 Stockwerk, Graz
30.04.2017 Porgy&Bess, Wien
24.02.2017 ORF Radiokulturhaus, Wien
30.11.2016 Blue Tomato, Wien
29.10.2016 Eremitage, Schwaz
28.10.2016 Spielboden, Dornbirn
29.05.2016 Brucknerhaus, Linz
06.12.2015 Porgy&Bess, Wien
13.10.2015 Echoraum, Wien
24.03.2015 Blue Tomato, Wien
21.03.2015 Jazzit, Salzburg

info@jakobgnigler.com